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Ein Fotoblog von Jan-Paul Kupser.

Wie werde ich Strobist? Und warum sollte ich? [Blitztechnik Part I]

Stro-was?

„Bilder mit Blitz sehen unnatürlich aus, alles wirkt so platt!“

Das dafür verantwortliche Ungetüm nennt sich im Volksmund „Totblitzen“ – damit ist gemeint, was eigentlich jede Standard-Kompaktkamera perfekt beherrscht:
Man blitzt (gezwungenermaßen) frontal.
Der Blitz ist konstruktionsbedingt der optischen Achse sehr nahe und wirkt oft als alleinige Lichtquelle, sodass man real anmutende, weil Tiefe erzeugend, Schatten vergeblich sucht.

Das Gewohnheitstier Mensch ist eben natürliches (Sonnen-)Licht von oben gewöhnt.

Eine Lösung des Problems wäre ein schwenkbarer, zur Decke gerichteter Blitz, der durch die Reflexion natürliches Licht von oben suggeriert.

Aber es geht auch anders, kreativer!

Das Zauberwort hierfür nennt sich: Entfesseltes Blitzes. Wie metaphorisch! Wir lösen die Fesseln, indem wir den Blitz off-the-cam auslösen, weg von der optischen Achse/dem Objektiv bringen. Dafür könnte man einige tausend Euronen für luxuriöses Profoto-Studio-Gear ausgeben.
Das größte Problem hierbei: Es ist groß, sperrig und schwer.
(Okay, die finanzielle Hürde sollte man auch nicht außer Acht lassen 😀 )
Aber auch hier geht es anders!

Werde ein Strobist!

Mehr Infos nach dem Link.

Gleichbedeutend mit folgenden Geboten:

  • Gib so wenig Geld wie möglich aus!
  • Pack die Bastelschere aus!
  • Verbringe Tage (und Nächte) im Strobist-Forum!
  • Bestell dir seltsame Plastik-Dinge aus Hong Kong!
  • Bereite dich auf verständnisloses Kopfschütteln deiner zweiten Hälfte vor! (Bald auch in deiner Wohnung: „Was das wieder fürn Quatsch?!“)

Aber vor allem: Lerne das Licht zu kontrollieren!! (Ich gebe zu, es klingt etwas sektenhaft.)

Less gear, more brain, better light – so lautet David Hobbys biblischer Leitsatz. David Hobby – quasi der Urvater dieses Wahnsinns. Er ist DER Strobist. *donner*

Genug Vorgeplänkel, für den Einstieg braucht man folgendes:

  •  2 oder mehr Kompaktblitze
  • eine Möglichkeit, diese kabellos auszulösen
  • Blitzstative
  • eine Möglichkeit, die Kompaktblitze auf den Stativen zu befestigen
  • Lichtformer (in erster Linie Schirme)

Das wird günstiger, als es sich anhört. Versprochen.

Kompaktblitze
Dafür eignen sich so gut wie alle manuell regelbaren Kompaktblitze. Oft empfohlen und deshalb deutlich teurer als früher auf ebay:  Die alten Nikon-Blitze der 80er Jahre. Damit gemeint sind Nikon SB-24/-25/-26/-28. Sie haben den Vorteil äußerst Robust zu sein und besitzen zudem einen PC-Port. (Dazu später mehr.)
Aber auch manuell regelbare Sigmas, Vivitars (hier oft genannt: Vivitar 285HV, in Europa kaum erhältlich) und natürlich Canons (z.B. der 540EZ, der mit einer Leitzahl von 54 ausreichend „Bums“ hat, um eine Softbox auszuleuchten. Gut zu wissen: Einige wenige Kompaktblitze haben eine störende Stand-By-Funktion, die bei einigen nicht abschaltbar ist (meinen  Informationen nach z.B. der Canon 420EZ). Informiert euch lieber vorher ggf. über dieses „Feature“. Man sollte pro Blitz etwa 40-70€, je nach ebay-Marktlage einplanen.

Gut, die Blitze haben wir inzwischen. Aber sie müssen auch irgendwie ausgelöst werden.

Funkfernauslöser
Canonianer kennen vielleicht das sündhaft teure Canon ST-E2, ein Blitzfernauslöser für Canon-Blitze. Dieser funktioniert auf Infrarotbasis und erfordert daher ständigen Sichtkontakt zwischen Blitz und Kamera. Außerdem soll die Verlässlichkeit gerade im Freien bei Sonnenschein nicht gerade die Crème de la Crème sein. (Schließlich haben Übertragungen vom Handy via Infrarot irgendwie auch nie geklappt.)
Die folgenden Funkauslöser arbeiten mit – wer hätte es gedacht – Funk, also Wellen im MHz-Bereich statt Lichtimpulsen. Somit ist kein direkter Sichtkontakt zw. Blitz und Kamera nötig, weiterhin können Entfernungen bis zu 100m realsiert werden (ob’s jemand braucht, steht auf einem anderen Blatt).

Die Low-Budget-Lösung :
Cactus Wireless Trigger. Die „Kakteen“ werden von Gadget Infinity hergestellt und kommen exklusiv aus Hong Kong. Pro Einheit (also Sender oder Empfänger) muss mit ~20-30€ gerechnet werden. Günstig sind sie zwar, doch meiner Erfahrung nach kann man mit einer Auslösezuverlässigkeit von 80-90% rechnet.
Das klingt für den Anfang viel, aber wenn bei einem Shooting die besten Aufnahmen verloren gehen, weil die Blitze nicht ausgelöst haben, kann das sehr, sehr ärgerlich sein.
Zum Ausprobieren sind sie aber vom Preis-Leistungsverhältnis unschlagbar.
Das war’s erstmal für den ersten Teil. Fortsetzung folgt!

Erleuchtet,
Powl

One Response to “Wie werde ich Strobist? Und warum sollte ich? [Blitztechnik Part I]”

  1. oberling sagt:

    ai fein…
    gut verständlich geschrieben – nachvollziehbar und ich denke dieser text bietet einen guten Einstieg in die Materie!
    und nun noch schnell zu dem Blitz, der am meisten nervt:
    Der Kugelblitz
    Er tritt plötzlich und in geschlossenen Räumen auf und ist der Killer einer jeden Aufnahme – teils positiv, teils negativ. Das kommt auf den Standpunkt an.

    würde gern erfahren, was ein Strobist dazu sagt 😉

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